Menschen, die keine Hunde mögen

Hier greife ich das Blogstöckchen auf von Wufflog. Dabei brachte mich meine Freundin Britta Augustin auf die Idee zu einem eigenen Blogbeitrag zu den Schattenseiten der Hundehaltung. Auch wenn mir der alternde Hund als Thema sehr am Herzen liegt… – aber dazu gibt es ja bereits einen sehr guten Video-Beitrag von Chewie-the dog.

Ja, es gibt sie und jeder von uns kennt sie. Die Menschen, die keine Hunde mögen. Das klingt jetzt erstmal nicht weiter schlimm, was soll es denn, kann ja jeder handhaben, wie er mag. Denkste. Denn ein Hund ist keine Katze an der Leine, die man auch locker mal Zuhause lassen kann. Die sich ohne einen im Garten mit dem Nachbarskater vergnügt. Nein, Hund bedeutet Rudel. Den lässt man ungerne und nie allzu lange alleine Zuhause.

Es gibt Menschen in meinem und vermutlich auch deinem Umfeld, die entweder sagen: „Den Hund lässte aber Zuhause, ne?“ Oder sie setzen es einfach voraus, weil es so eben besser ist. Für sie. Dabei sind es eher selten schwere Allergien oder Phobien. Es sind Vorbehalte wie: „Na, da sind ja auch Kinder“ oder „Das wird mir zu wuselig“ bis hin zu „Der Hund riecht/haart/sabbert/was-auch-immer so.“

Solche Ansagen, vielmehr aber die schweigende Erwartung, man möge bitte sein Tier zu Hause lassen, machen mich immer sehr traurig. Zum einen fühle ich mich unverstanden – denn bei uns gehören die beiden Hunde nun mal zur Familie. Ohne sie fühlen wir uns unvollständig, wir gucken ständig auf die Uhr und machen uns große Sorgen, wenn wir sie nicht in den allerbesten Händen wissen. Zum anderen ist es so, dass ich mich zu wenig respektiert fühle. Die beiden Hunde sind mir wichtig und sie gehören zu mir. Andere Gäste kommen mit ihren Kindern und niemand käme auf die Idee, das zu diskutieren. Weil es ja Kinder sind.

Ja… äh. Sind meine Hunde auch, irgendwie. Ich wünsche mir, dass wir ehrlich und ergebnisoffen über das „wie“ sprechen, darüber, welche Sorgen und Annahmen die andere Seite hat. Hundehalter sind es meist gewöhnt, Rücksicht zu nehmen. Natürlich muss sich der Hund an bestimmte Regeln halten und kann auch nur mit, wenn er beim Gastgeber kein Chaos veranstaltet. Ich bin dafür verantwortlich, vor allem auch, wenn etwas schmutzig wird oder zu Bruch geht! Denn natürlich könnte das passieren. Tut es aber selten, kann ich euch sagen. Wenn wir bei jemand anderen Zuhause sind, muss ich die Bedingungen erfragen und mich darum kümmern, dass mein Liebling niemandem belästigt.

AthosFür meine beiden erfahrenen Bürohunde übrigens kein Problem! Sie haben bisher nie was kaputt gemacht, springen nicht auf das Sofa ohne ausdrückliche Erlaubnis, sie bellen und schnappen nicht und sie klauen auch nichts vom Tisch.

Wobei, ich gebe es zu, ich bin diejenige, die bei jeder Party, wo die Hunde mit dürfen und müssen (weil z.B. die Anfahrt weit ist und die Veranstaltung eher ein gemütliches Get-together ist) sofort fragt, ob man das Katzenfutter für den Abend etwas höher stellen kann und ich achte darauf, ob Snacks unbeobachtet auf niedrigen Tischen stehen. Auch weiß ich frühzeitig, wo Mülleimer mit Lebensmittelresten stehen und wo meine Plattnasen folglich nicht alleine vorbeischlendern dürfen. 😉 Überhaupt habe ich die Gastgeber vorher gefragt, ob die beiden Vierbeiner mit dürfen, ob Allergiker erwartet werden oder jemand große Angst vor Hunden hat. Was viele nicht wissen, nur ca. 3% der Menschen sind gegen Hundehaar allergisch, und die wenigsten von ihnen haben starke Probleme. Die meisten werden halt keine Hunde streicheln und sich danach ins Gesicht fassen. Jede Gartenparty im Frühling birgt dagegen größere Schwierigkeiten für Betroffene der weit verbreiteten Pollenallergie.

Wenn du nun denkst, da bleibt man dann wohl besser unter Hundemenschen: damit ist das Problem leider nicht gelöst! Denn, was mich besonders bekümmert, sind Vorbehalte anderer Tierliebhaber.

Der eine hat einen Hund, der aufgrund seines Territorialverhaltens einfach keine anderen Hunde duldet und sich damit auch durchsetzen will. Der andere hat einen Hund, der ängstlich ist und einfach keine fremden Hunde in seinem Haus mag. Und nicht nur die Hundemenschen können komisch sein, auch Katzenhalter lassen manchmal keine (wohlgemerkt gut erzogenen Hunde) ins eigene Haus. Denn die Katze, die ja durchaus die Möglichkeit hat, sich zurückzuziehen, soll keinesfalls „eingeschränkt werden in ihrer Freiheit„.

15585_10153883554523146_7415818179949094691_nFür mich persönlich bedeutet das zum einen, dass hier die Tiere vermenschlicht werden (ja wirklich, komisch, dass das von MIR kommt!). Als Rudelführer mache ICH die Ansagen und meine Hunde haben sich an die von mir (bzw. vom Gastgeber) aufgestellten Regeln zu halten. Kommen uns andere Hundehalter mit ihrem Rudel besuchen, dann bin ich es, die das erlaubt. Das akzeptieren meine Fellnasen – weil sie es so kennen. Benehmen sie sich hier oder dort schlecht, muss ich streng werden und mit Nachdruck die Einhaltung der Regeln einfordern. Das Problem ist ja, dass weder Territorialverhalten noch Ängstlichkeit bei den Gastgeber-Tieren abnehmen wird, wenn man solche Begegnungen einfach vermeidet. Im Gegenteil. Im besten Fall nutzt der Gastgeber die Gelegenheit, seinem Hund zu vermitteln, dass er der Rudelführer ist, dass er die Lage unter Kontrolle hat und sich das Tier entspannen kann.

Die Art von Katzen ist es nun, sich zurückzuziehen, bis feststeht, ob eine Gefahr von dem vierbeinigen Besucher ausgeht. Solange die Besucher-Hunde nicht bellend hinter ihnen herjagen, sollte das aber auch kein größeres Problem für die Katze darstellen.

Findet oder sucht man keinen Kompromiss, bleibt bei mir das schale Gefühl, dass dem Gastgeber mein Besuch nicht so wichtig ist, als dass man gemeinsam eine Lösung sucht, mit der sich alle wohlfühlen. Denn natürlich sind Erstbegegnungen auf Parties nicht in jedem Fall geeignet, nicht jeder Hund kann überall mit hin genommen werden und gibt es Dominanzthemen zu klären, sollte man das auf anderen Ebenen angehen. Bei ausgeprägtem Territorialverhalten empfiehlt sich beispielsweise eine Begegnung und ein längerer gemeinsamer Spaziergang auf neutralem Grund. Und als Hundehalter bin ich auch jederzeit bereit, auf eine veränderte Situation zu reagieren. Gibt es vor Ort Probleme, müssen die Hunde (bei geeignetem Wetter!) beispielsweise im Wagen warten. So viel Flexibilität muss sein. Ist es aber zu warm oder zu kalt draußen, fällt die im-Auto-lassen-Variante aus. Die Gesundheit meiner Lieblinge gefährde ich nicht.

AthosUnd natürlich gibt es einige wenige ausgewählte Termine, die ich meinen Hunden erspare oder ich sie lieber in die Betreuung gebe oder Zuhause lasse, weil ich mich nicht ausreichend um sie kümmern könnte. Aber Hunde bei Dritten oder länger alleine zu lassen ist für mich nie schön gewesen. Vor allem mache ich das jetzt nicht, weil mein Seelenhund Athos gerade stark altert, taub, halbblind und ohne meine Nähe unter Verlustängsten leidet.

Aber eines kann ich festhalten. Je älter ich werde, desto weniger bin ich bereit, Kompromisse einzugehen. Um mich herum sind immer mehr Menschen mit Hunden, mit mehr als einem Hund pro Familie. Und es klappt hervorragend. Viele Freunde haben sich auch an uns gewöhnt und daran, dass unsere Hunde lieb, harmlos und freundlich sind. Wir suchen die Nähe zu diesen Menschen. Und sicher nicht nur, weil wir sie sorglos und als Rudel besuchen dürfen. Nein, wir mögen die Einstellung dieser Menschen und ihre Offenheit.

Glücklicherweise werden diese Menschen in unserem Umfeld mehr und man versteht sich meist schweigend, selten sind Absprachen erforderlich und die Hunde verstehen sich meist gut. Das sind die entspanntesten und lockersten Treffen. Aber es gibt sie auch, die Nicht-Hundemenschen im Freundes- oder Familienkreis. Und auch wenn unsere Hunde ihnen wohl immer ein wenig fremd bleiben, so haben sie uns alle doch gerne bei sich. Darüber freuen wir uns dann doppelt! Wir bemerken die umstände, die wir ihnen manchmal bereiten und sind wirklich dankbar für Verständnis und Offenheit in diesen Belangen und schätzen sie sehr.

Wie ist es bei euch, kennt ihr das auch? Welche Erfahrungen habt ihr gemacht? Lasst uns teilhaben über eure Kommentare!

Herzlichst

Silke von Team vawidoo

Aktion: Schattenseiten der Hundehaltung

Dieser Beitrag ist Teil der Serie „Schattenseiten der Hundehaltung“ organisiert von verschiedenen Hundebloggern und -YouTubern.

 

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