Eine Weihnachtsgeschichte

Eine Weihnachtsgeschichte

Lesezeit: 7 Minuten

Ich freue mich, Euch unsere kleine

🎄Weihnachtsgeschichte🎄

vorstellen zu dürfen. Ich hoffe, sie gefällt Euch.

Max war ein graubraun-schwarzer Terrier-Mischling mit langen zotteligen Haaren. Er lebte schon seit einiger Zeit auf der Straße in der großen Stadt.

Der Sommer war heiß gewesen, die Nächte lau und so konnte man es draußen, besonders bei Nacht, sehr gut aushalten. Nun aber nahte die kalte Zeit. Es hatte fürchterlich geregnet und Max war nass bis auf die Knochen. Er fror und schüttelte sich die kalte Nässe, so gut es ging, vom Leib.

Es gab ein paar Orte, an die er sich in solchen Fällen bislang zurückzog. Da war zum Beispiel ein Kinderspielplatz mit einer kleinen Hütte. Leider war diese Hütte aber seit einiger Zeit verschlossen und verriegelt. Ein weiteres warmes Plätzchen war ein großer Auslass aus der städtischen Kanalisation. Doch wegen des anhaltenden Regens war dieser nun mit Wasser gefüllt. Unter der großen Autobahnbrücke konnte man ebenfalls übernachten oder sich aufwärmen, doch dieser Platz war mindestens 1 Stunde Fußmarsch von Max entfernt. Oh, hätte er sich nur im Sommer schon um einen sicheren, trockenen und halbwegs warmen Unterschlupf gekümmert.

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Wie er so trottete, frierend und vor Hunger geschwächt, sah er um sich herum die vielen bunten Weihnachtslichter blinken und blitzen. Die Schaufenster waren prall gefüllt und die Luft roch nach einer Mischung aus Glühwein, gebrannten Mandeln und Autoabgasen. Es war der Tag vor Heiligabend.

Weihnachten, was die Menschen immer mit diesem Weihnachten haben. Sein Kumpel Ferdi, die in die Jahre gekommene Promenadenmischung aus gutem Hause, hatte ihm mal erzählt, dass die Menschen an Weihnachten die Geburt von Jesus feiern. Allerdings redete kaum jemand über Jesus. Es ging eigentlich immer nur darum, hektisch viele Geschenke kaufen zu müssen. Diese werden sich dann am Heiligabend unter einem Tannenbaum nach etwas Singen und sehr viel Essen gegenseitig geschenkt. Da die meisten Menschen die falschen Geschenke bekommen, tauschen sie sie dann zwischen Weihnachten und Neujahr wieder um.

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Max stellte sich vor, wie er wohlig eingerollt auf einer warmen weichen Wolldecke unter dem Tannenbaum liegt, wie es im ganzen Haus nach Zimt und Plätzchen und Glühwein duftet, wie ein Kind sich zu ihm herunterbeugt, seinen Nacken krault und ihm ein großes Stück von seiner Lieblingswurst serviert. Im Hintergrund prasselt das Holz im warmen Kamin und verströmt eine wohlige Wärme.

ZIIIISSSSCCHHHHH. Ein riesiges, schwarzes Auto raste durch eine Pfütze und spritzte Max und die umstehenden Menschen mit schmutzigen Wasser nass. Sein Fell tropfte. Und, als ob das noch nicht genug gewesen wäre…

„Passt doch auf, du stinkender Köter“. Eine mit Tüten, Taschen und eingepackten Geschenken beladene Frau kam aus einem Handtaschen-Geschäft. Sie trat ihn mit ihrem spitzen Schuh schmerzhaft in die Seite. Sie schimpfte und stapfte mit ihrem braunen Pelzmantel, der aussah wie Max Fell, weiter durch den Regen. Die Menschen um ihn herum wichen ihm aus, sie rümpften die Nase, keiner half ihm. Max spürte wie die Menschen genau darauf achteten, ihm ja nicht zu nahe zu kommen.

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Da hörte er eine sanfte Stimme. „Hey, was ist dir denn passiert?“ Max schaute sich um. Er wußte zuerst nicht, wo diese Stimme herkam. Da, in einem dunklen Hauseingang saß ein älterer Mann. Er war ähnlich zerlumpt, schmutzig und stinkend wie er selbst, aber er hatte eine schöne, weiche Stimme. Der Mann rief wieder in seine Richtung: „Hey, komm her zu mir. Komm unter meine Decke“. Max zögerte.  Meinte er wirklich ihn? In seinem bisherigen Leben hatte er keine guten Erfahrungen mit Menschen gemacht. Als Welpe kam er zu einem älteren Ehepaar. Der Mann hatte einen Stock. Und immer, wenn ihm etwas nicht passte, schlug er mit diesem Stock auf ihn ein. Max hatte immer die Gelegenheit abgewartet, von dort fliehen zu können. Und als er so etwa ein Jahr alt war und das Ehepaar einen Ausflug ins Grüne machte, haute Max für immer ab. Seitdem lebte er auf der Straße, mittlerweile das fünfte Jahr.

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Die Menschen waren noch nie gut zu ihm gewesen, immer nur hatten sie ihn beschimpft, nach ihm getreten oder ihn verscheucht. Kaum jemand gab ihm etwas zu Essen oder hatte auch nur ein freundliches Wort für ihn übrig. So war er also sehr misstrauisch, als er diese Stimme hörte. Doch diese Stimme hatte etwas Schönes, Warmes, etwas Herzliches an sich. Max hob seine Nase und schnüffelte. Vernebelte ihm etwa die Weihnachtsstimmung die Sinne? Es roch eindeutig nach Wurst. Der Mann im Hauseingang hatte Würstchen und hielt sie ihm hin. Max, immer noch sehr vorsichtig, lief langsam auf den Mann zu.

„Hallo, ich bin Mike, und wer bist du?“  sagte der Mann immer noch sehr freundlich. „Ach, du kannst ja gar nicht reden. Ich nenne dich einfach Hund, ok?“ Max bellte kurz zustimmend und der Mann zog ein trockenes, sauberes Handtuch aus einer seiner Taschen. „Komm her, ich reib dich ein wenig trocken, du bist ja völlig durchnässt. Ich sehe ja, wie du frierst. Komm her“. Ganz vorsichtig legte Mike das Handtuch um Max und rubbelte damit sein Fell trocken. „Weißt du, Hund?“, sagte er zu Max. „Ich habe dich gerade beobachtet. So, wie die Menschen mit dir umgehen, so gehen sie auch mit mir um. Und an Weihnachten ist es kaum besser. Das „Fest der Liebe“ wird es genannt. Ha, dass ich nicht lache! Es ist gut, wenn man sich in dieser Zeit von den Menschen fernhält.“

Mike legte einen Teil seines Schlafsacks über Max und zu Max Erstaunen war er richtig warm. Er spürte seine schmerzenden Glieder und genoß dieses wohlige Gefühl von Wärme und Geborgenheit. Und so saßen sie da und beobachten die hektischen Menschen bei ihren Einkäufen. Wie sie über die Straße rannten, durch den Regen hetzten, vollbepackt mit Tüten, Taschen und Regenschirmen. Ein Auto reihte sich an das nächste und der Verkehr war noch hektischer als sonst.

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Mittlerweile war es dunkel geworden, es war schon spät. Die Geschäfte schlossen, Rollläden wurden heruntergezogen, überall klapperte und klackerte es. In der hektischen Stadt kehrte Ruhe ein.

Zum ersten Mal seit vielen Jahren fühlte Max sich geborgen. Er kuschelte sich eng an seinen neuen Freund und schloß die Augen. Max schlief die ganze Nacht tief und fest durch. Als er am nächsten Morgen aufwachte und mit verschlafenen Augen aus dem Schlafsack blinzelte, war Mike weg. Nur den Schlafsack hatte er ihm gelassen. So ist das mit den Menschen, dachte Max.

Es hatte aufgehört zu regnen, und der Morgen war kalt und klar. Max hatte Hunger. Es roch wieder nach frisch gebrannten Mandeln, gebratener Wurst und Crêpes. Mit traurigen Augen, gesenktem Kopf und hängendem Schwanz lief er langsam in Richtung der Gerüche, in Richtung Weihnachtsmarkt, in der Hoffnung, dort fressbare Reste zu finden.

„Hey, wo willst du denn hin?“ Max traute seinen Ohren nicht. Es war Mike! Max schaute ihn ungläubig an. „Ich wollte uns was zu Essen und zu Trinken besorgen. Dabei habe ich vorsichtshalber meine Sachen mitgenommen, man weiß ja nie.“ Max war ja so froh, ihn wiederzusehen. Mike packte eine kleine Schüssel für Max aus und füllte frisches Wasser ein. Außerdem hatte er wieder die leckeren Würstchen besorgt und Max verschlang diese mit einem Happs.

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„Der ist ja süß! Ist das dein Hund?“ rief eine fröhliche, piepsige Mädchenstimme Mike zu. Mike blickte kurz zu Max und antwortete wahrheitsgemäß: „Wir kennen uns seit gestern Abend und sind gerade dabei, Freunde zu werden.“ Das kleine, braunhaarige Mädchen mit den lockigen Haaren strahlte die beiden an. Da kam ihre Mutter und ermahnte sie: „Marie, wie oft muss ich dir noch sagen, dass du nicht einfach wildfremde Menschen ansprechen sollst?“ „Aber Mama, schau doch mal, der kleine Hund. Ist der nicht süß?“ Ihre Mutter entschuldigte sich bei Mike für die Störung und schaute ihn eingehend an. „Sie leben noch nicht lange auf der Straße, habe ich recht?“ Mike nickte verschämt. Er lächelte Marie sanft an und wandte sich an Maries Mutter. „Ich habe auch eine Tochter, leider lebt diese im Ausland und ich sehe sie nur ganz selten. Das letzte Mal ist lange her, zu lange.“

„Mama, Mama, so einen Hund wollte ich schon immer haben!“, unterbrach Marie die bedrückte Stimmung. „Können wir den kleinen Hund nicht einfach mit nach Hause nehmen? Bitte. Er lebt doch auf der Straße, bei uns ist es warm und kuschlig.“

„Marie, wenn wir den Hund einfach mitnehmen, ist der Mann bestimmt ganz traurig“, gab Maries Mutter zu bedenken. Sie blickte Mike auffordernd an. Doch Marie gab sich noch nicht geschlagen. „Dann nehmen wir halt beide mit nach Hause.“ Marie blickte Mike an: „Wo feierst du denn Weihnachten?“ Mike antwortet so freundlich wie es ihm möglich war: „Ich weiß noch nicht, kleine Prinzessin.“ „Ja, aber Weihnachten ist doch schon heute Abend?!“, wunderte sich Marie. Ihre Mutter unterbrach Maries Fragen und drängte zum Aufbruch. „Der Mann hat bestimmt keine Lust, dir deine ganzen Fragen zu beantworten, Marie. Wir sollten jetzt gehen. Sag lieb Auf Wiedersehen.“ Sie zog Marie an der Hand und nickte Mike und Max aufmunternd zu. Marie weinte und stampfte und wehrte sich, doch ihre Mutter zog sie weiter. Max und Mike schauten den beiden nach.

Und so verbrachten die beiden den 24. Dezember in einem Hauseingang eines Bürogebäudes in der Nähe des Weihnachtsmarktes. Es wurde Abend, die Straßen leerten sich wieder und es wurde kalt. Die beiden deckten sich mit ihrem Schlafsack zu und Max spürte, wie traurig Mike war.

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„Entschuldigung?“, hörten sie plötzlich eine ihnen bekannte Stimme sagen. „Verbringen Sie Weihnachten in dem Hauseingang einer Bank? Marie hat den ganzen Tag keine Ruhe gegeben und mich schließlich davon überzeugt, Sie und ihren kleinen Begleiter zu uns nach Hause einzuladen. Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie diese Einladung annehmen. Das ist doch sicher gemütlicher als hier.“ Maries Mutter stellt sich vor: „Ich bin übrigens Hannah“, und reichte ihm die Hand. „Ich bin Mike, und das ist … Hund“. Max wedelte freudig mit dem Schwanz, als Marie ihn in die Arme nahm. Mike zögerte, doch als Hannah ihm auf die Beine half, gab er sich einen Ruck und ging mit den beiden mit.

Auf dem Weg erzählte Mike Hannah, dass er früher Banker gewesen war und er seinen Job verloren hatte, nachdem sich seine Frau von ihm getrennt hatte und er schließlich auf der Straße gelandet war. Seine Tochter hatte sich ebenfalls von ihm abgewandt und lebte jetzt in Chicago. Max lief brav neben Mike her und markierte mal da und mal dort. Hannah erzählte Mike, dass ihr Mann, Maries Vater, vor drei Jahren verstorben war, und sie nun allein mit Marie in einem Haus am Rande der Stadt lebe.

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Zuhause bei Hannah angekommen, bot sie Mike an, sich einen Anzug von ihrem verstorbenen Mann auszusuchen. Mike nahm eine ausgiebige Dusche und probierte einen Anzug an. Er hatte die richtige Größe und stand ihm richtig gut. Marie badete Max in der riesigen Badewanne, was Max trotz allem nicht sooo toll fand. Er genoß jedoch Maries Zuwendung sehr. Sie war nun schon der zweite Mensch, der nett zu ihm war. Auch ihre Mama Hannah ging sehr liebevoll mit ihm um und so fühlte er sich in diesem Augenblick so richtig pudelwohl.

Es war Zeit für die Bescherung. Marie war total aufgeregt und erzählte Max, dass das Christkind gleich die Geschenke unter dem Weihnachtsbaum legen würde. Deswegen müssten sie und Max in ihrem Zimmer warten. Ein Glöckchen klingelte und Marie stürmte mit Max zum Weihnachtsbaum. Mike sah toll aus in seinem Anzug und Marie und Hannah hatten sich ebenfalls schöne, festliche Kleider angezogen. Max fühlte sich wie in seinem Traum: er lag wohlig eingerollt auf einer weichen, warmen Wolldecke unter dem Tannenbaum, Hannahs Mutter hatte gebacken und im ganzen Haus rocht es nach Zimt und Plätzchen. Hannah servierte Mike einen duftenden Glühwein. Marie kraulte Max Nacken und gab ihm ein großes Stück Wurst. Im Hintergrund prasselte das Holz im Kamin und verströmte eine wohlige Wärme.

Max war so glücklich wie noch nie in seinem Leben.

 

Fröhliche Weihnachten .

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Eure Simone von vawidoo


P.S. Diese Geschichte hat mein Mann zusammen mit unseren Kindern geschrieben.

Regelmäßig kreieren meine Drei neue Geschichten. Die Kinder geben Thema, Stil und Stichwörter vor und mein Mann baut dann daraus Mitmach-Gutenacht-Geschichten. Unsere Kinder lieben diese Spiel mit der Sprache sehr.

 

2 Kommentare

  1. Oh wow was für eine wunderschöne Geschichte
    Obwohl mich der Anfang traurig gemacht hat
    Und dann haben dein mann und eure Kinder geschrieben, das macht sie noch viel viel schöner
    Danke dafür ♥️♥️

    • Das freut uns sehr, dass Dir die Geschichte gefallen hat. Ich musste meinen Mann nämlich dazu überreden, dass ich sie veröffentlichen darf. Bislang blieben diese Geschichten immer in der Familie.

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