Bullitour durch Europa mit Hund

GASTBEITRAG: Mit seinem Hund unterwegs zu sein, bedeutet natürlich auch etwas organisatorische Vorarbeit – aber vor allem ist es ein aufregendes Abenteuer für beide Seiten. Wenn man sich gut vorbereitet und alle Einreisebestimmungen berücksichtigt, liegt eine tolle gemeinsame Zeit vor einem. Wir haben in diesem Jahr eine Europa-Tour im Bulli, mit Hund und Surfgepäck unternommen und waren begeistert, wie einfach es sich mit dem Vierbeiner reisen lässt.

Wir, das sind Heiko, Sarah (vom Livestyle-Blog Live-Surf-Travel) und unsere Galga Kaya, die ich vor knapp zehn Jahren aus Spanien adoptiert habe. Sie ist jetzt elf Jahre alt und begleitet mich auch im Alltag überall hin: In die Stadt, zur Arbeit oder zum Joggen am Rhein. Deshalb war schnell klar, das sie auch auf diese dreimonatige Reise mitkommen darf.

 

 

Unsere Reiseroute

  • England
  • Schottland
  • Irland
  • Frankreich
  • Spanien
  • Portugal
  • Italien

und die Inseln:

  • Korsika
  • Sardinien
  • Sizilien

Die Vorbereitungen

Bevor es losgehen kann, müssen ein paar Dinge erledigt werden – Kaya wurde einmal gründlich beim Tierarzt durchgecheckt: Zähne, Blutwerte, Impfungen, Europäischer Heimtierausweis. Beim Veterinäramt habe ich alle nötigen Infos zu Einreisebestimmungen bekommen. Eine Mail mit unserer Reiseroute reichte aus und ich bekam schnell eine ausführliche Antwort. Toll ist, das es inzwischen in fast ganz Europa die selben Regelungen gibt und die wochenlange Quarantäne wegfällt. Mussten Tiere vor einiger Zeit vor Einreise nach Großbritannien Beispielsweise noch mehrere Wochen warten, reicht nun der Nachweis über eine regelmäßige Tollwutimpfung und eine Bandwurmbehandlung aus. Wichtig: Die Bandwurmbehandlung muss zwischen fünf und zwei Tagen vor der Einreise erfolgt sein und von einem Tierarzt in den Europäischen Ausweis des Hundes eingetragen worden sein.

Im nächsten Schritt, haben wir uns über die Einstellung zu Hunden in den einzelnen Locations angeschaut: Ist es vor Ort üblich den Hund mit auf den Campingplatz, ins Restaurant oder an den Strand zu nehmen? Gibt es Läden in denen man Hundefutter bekommt? Wie sieht es dort mit der Leinenpflicht im Sommer aus? All das muss mit organisiert werden, wenn man eine entspannte Zeit zusammen verbringen möchte.

Wir waren jedenfalls sehr überrascht, wie viele tierfreundliche Campingplätze es gibt – viele sogar mit extra Hundestrand, oder kleinen abgezäunten Waldstücken zum spazieren gehen. Gerade Großbritannien ist, was das Leben mit Hund angeht, absolute Spitze! Aber auch Frankreich hat uns ganz klar überrascht. Spanien dagegen hat überwiegend hundefreie Strände anzubieten – hier sollte man genau recherchieren – und Korsika ist sicher nicht für jeden Vierbeiner entspannend, da es viele wild lebende Hunde, auch auf den Campingplätzen gibt.

Reise-Highlights

England, Schottland und Irland sind für Reisen mit Hund einfach fantastisch. Fast jeder Campingplatz hat einen eigenen Spazierweg, Wald oder Strandabschnitt, an denen eure Vierbeiner frei laufen dürfen. Kaya hatte unendlich viel Platz zum Toben, Buddeln und Schwimmen. Natürlich sollte man genau wie zuhause bei Hundebegegnungen immer achtsam sein: Ist der andere Hund an der Leine, muss auch Kaya an die Leine.

Schottland
Inverness

Bei Fortrose waren wir auf einem kleinen, super schönen Campingplatz auf dem Hunde kostenlos mitgebracht werden durften. Es gibt einen tollen Wanderweg entlang des Wassers und einen oberhalb des Campingplatzes, der mit hohen Gräsern und Büschen von der entfernten Straße getrennt ist. Am Strand kann man herrlich laufen und wir haben auch einige Windhunde getroffen, die mit Kaya um die Wette flitzen wollten.

Isle of Skye

Die Anfahrt zum Campingplatz in Glenbrittle ist nur was für geduldige Autofahrer – Die Straße ist überwiegend einspurig und es stehen immer wieder Schafe auf der Fahrbahn. Man kommt nur sehr langsam voran, aber die Landschaft ist traumhaft, es lohnt sich wirklich die Halbinsel zu befahren – am besten ihr nehmt euch viel Zeit und legt ein paar Zwischenstopps ein. So kann man die Umgebung auch direkt mit einem schönen Spaziergang genießen. Der Campingplatz selbst ist mehr eine unendlich große Wiese, eingerahmt in Schafswiesen und abgegrenzt von einem schwarzsandigen Strand. Es gibt einen tollen Wanderweg entlang der Felsen – aber auch am Wasser ist es herrlich.

Irland
Cliffs of Moher

Ein Ziel, das man definitiv als Highlight bezeichnen kann: Die Steilküste ist am höchsten Punkt 220 Meter hoch und gibt ein wahnsinniges Panorama über die Küste frei. Mehrere Wanderwege lassen sich prima mit dem Hund begehen, andere sind mehr was für Abenteurer. Auch geführte Touren oder Schiffsfahrten werden hier angeboten, falls man einmal die Perspektive wechseln möchte.

 

England
St. Ives & Hayle

Der schönste Strand, den wir mit Kaya in England besucht haben! Hunde sind auf dem Campingplatz willkommen – dürfen in der Hauptsaison aber nur vor acht Uhr morgens und nach sieben Uhr abends an den tollen Strand. In den großartigen Fünenlandschaften davor konnten wir allerdings den ganzen Tag ausgiebig laufen – und das hat richtig viel Spaß gemacht! Vom Campingplatz aus läuft man durch die Dünen ca. 1 1/2 Stunden bis in die Stadt. Dort kann man es sich dann in einer Bar oder bei einem Kaffee gemütlich machen, natürlich alles mit Hund. Auch die Sanitäranlagen verdienen ein großes Lob – und ganz besonders für uns Surfer: Eine heiße Außendusche, unter der man sich direkt nach einer Surf-Session im Neoprenanzug abduschen kann. Besonders empfehlen möchten wir euch hier den Pizza-Truck. Zwei mal die Woche kommt ein kleiner Truck mit eingebautem Steinofen auf den Platz und bietet verschiedene Pizzen an – richtig lecker!

Frankreich
Ile de Re

Dieser Campingplatz war eigentlich nur unsere zweite Wahl, aber ein absoluter Volltreffer. Der Hundestrand mit Privatzugang nur für Camper wurde von uns täglich mehrmals genutzt – Strandspaziergänge, Joggen mit Hund und natürlich gemeinsames Planschen sind hier entspannt genießbar und auch auf dem Platz, lässt es sich als Hund richtig gut gehen. Um die einzelnen Parzellen gibt es schöne Hecken und Bäume, sodass man vor der Hitze perfekt geschützt ist. Viele Familien kommen hier schon seit Jahren her, darunter auch viele deutsche.

Spanien
Muxia

Etwas für Wildcamper und Naturfreunde ist der geduldete Strand-Stellplatz in Muxia. Es gibt keinen Stromanschluss, aber mehrere Duschen, direkt am Strand. Ein Holzpfad erstreckt sich entlang der Dünen, bis hinauf in den Wald und bietet sich einfach für einen langen
Hundespaziergang an. Unseren Wagen haben wir auf die große Wiese neben den Zaun gestellt. Ab und an kommt ein Ranger vorbei, der es gerne hat, wenn die Camper ein wenig sichtgeschützt von der Straße stehen und kein Müll oder andere Hinterlassenschaften verteilt werden. Man steht hier sehr abgeschieden: Wir haben uns die Wiese drei Tage lang mit zwei bis drei weiteren Bullis geteilt. Kaya konnte, dank wildfreier Umgebung, immer frei laufen – selbst am Strand sind Hunde erlaubt. Am meisten Spaß hatte sie allerdings wohl, bei der Jagd auf den kitenden Heiko.

Die Inseln

  • Sizilien
  • Lo Stagnone

Da wir Kite-Surfer sind, fiel unsere Wahl für diesen Aufenthalt auf Lo Stagnone. Wie gut, das uns gleich am ersten Tag ein Spaziergänger sagte, es sei ein Paradies für Hunde. Kaya konnte den ganzen Tag frei laufen – keine Autos, keine Wildtiere, keine tierunfreundlichen Menschen. Die Appartements sind praktisch eingerichtet und sehr gepflegt, zum Resort gehört aber auch ein Hotel – vielleicht etwas für diejenigen, die nicht dem Wassersport verfallen sind.

Die Umgebung hat einiges zu bieten: Salinen, Wasserwanderungen auf Vorgelagerte Inseln, ein Ausflug nach Erice – alles auch mit dem Hund planbar. Wasserscheue Vierbeiner können auch mit dem Boot zu den Inseln genommen werden. Die Stadt Masala ist ca. 20 Minuten entfernt und hat eine tolle Einkaufspassage und nette Restaurants, überall war Kaya ein gern gesehener Gast und hat stets ihren eigenen Wassernapf bekommen.

Sardinien
Torre die Bari

Ein Traum-Campingplatz, sowohl für Hund, als auch für die dazu gehörigen Menschen. Super saubere Sanitäranlagen, ein tolles Restaurant und vom Ausgang bis zum Strand nur wenige Meter – Hunde erlaubt! Ringsherum hoch bewachsen und so perfekt vor der Sommerhitze geschützt, steht man auf einem weichen Waldboden mit Blick auf den Garten. Hier werden Tomaten, Zitronen und Granatäpfel angebaut und allerlei andere tolle Sachen. Ein Strandspaziergang durch den kleinen mit Pinien bewachsenen Wald zur Stadt ist absolut empfehlenswert – dort lässt es sich mit Blick zum Wasser richtig gut essen und trinken. Zum Campingplatz gehört auch eine Schäferhündin, die sehr lieb und eher zurückhaltend ist – Kaya hat einmal ihr „Rühr-mich-nicht-an“ Knurren aufgelegt – schon hat ist sie uns nur noch im großen Bogen begegnet.

Tipps:

Strecken mit der Fähre zurücklegen

Fähren können einem das Reisen vereinfachen – vor allem wenn man eine Rundreise plant, erspart es einem viele Kilometer Fahrtzeit. Wir buchen unsere Fähren immer auf directferries.com – hier findet ihr alle Verbindungen und entdeckt mit Sicherheit auch einige Überfahrten, die ihr noch gar nicht in Erwägung gezogen habt. Für die Reise mit Hund empfehlen wir euch, vorher zu erfragen, ob ihr euren Vierbeiner im Auto lassen dürft. Ist dies nicht der Fall, solltet ihr euch eine Pet-friendly Cabin dazu buchen, wenn ihr nicht möchtet das euer Hund in einem Zwinger untergebracht wird. Häufig sind die Zwingerbereiche auf den Schiffen eng, überfüllt und können großen Stress für das Tier bedeuten.

Auf den langen Überfahrten gibt es so genannte Dog-Areas, meist ist es das oberste Deck – hier dürft ihr mit eurem Hund spazieren gehen. Natürlich ist das Ganze als Notlösung zu betrachten, aber auch unser Hund hat diesen Bereich schnell als Toilette akzeptiert und den Ausblick über die Reling, mit der Nase im Wind, genossen.

Wohin mit dem Hund bei geringem Platzangebot

Vor der Reise mit unserem Bulli, galt es für uns die Frage zu lösen, wo Kaya schlafen kann. Wir haben kein Aufstelldach und so wäre die einzige Stelle im Wagen, die bei gemachtem Bett frei ist, mit Hund belegt. Heiko hatte dafür einfach eine tolle Idee, die wir euch gerne weiter geben möchten. Eine Art Lattenrost wird über den Armlehnen mit Schlaufen befestigt und mit einem Seil am Lenkrad fixiert. Für ein bequemes Liegen, haben wir eine wattierte Hundedecke aufgelegt – Kaya hat ihren Platz auf der Fahrerseite geliebt! Die ersten Aufspringversuche mussten noch mit Überzeugungsleckerlie erfolgen – nach der ersten Woche aber, hat sie ihren Platz vehement eingefordert, wenn wir nicht schnell genug alles fertig hatten.

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